Sauna bei Erkältung: Nur gucken, nicht reingehen

28. Oktober 2019

Ein regelmäßiger Gang in die Sauna beugt Erkältungen vor. Diese Erkenntnis ist unbestritten. Doch warum ist das gesunde Schwitzen so effektiv für unser Immunsystem? Und wie sieht es aus, wenn wir schon erkältet sind? Hilft saunieren dann ebenfalls? Oder sollten wir auf das gemütliche Zusammensein bei aromatischen Aufgüssen besser verzichten? Ein Überblick.

Schon in der Steinzeit gab es das sogenannte Steinschwitzbad, den Vorgänger der heutigen Sauna. Erste Funde hierzu wurden in Ostasien dokumentiert. Heute verbinden wir mit einer Sauna vor allem Finnland oder Sibirien. Gerade in dem skandinavischen Land ist die Sauna ein Ort der Begegnung, sogar Geschäfte werden hier abgewickelt. Aber auch hierzulande ist das regelmäßige Schwitzen längst eine beliebte Freizeitbeschäftigung (1). 

Rund 30 Millionen Deutsche gehen laut einer Umfrage regelmäßig in die Sauna (1). 

Erzeugt die Sauna wirklich ein künstliches Fieber?

Es wird häufig behauptet, die Sauna erzeuge ein künstliches Fieber. Das ist streng genommen nicht korrekt. Bei Fieber verändert unser Organismus den Sollwert für die Körperkerntemperatur. Er erzeugt die Wärme also selbst. Bei der Sauna steigt zwar die Hauttemperatur um bis zu 10° C an, die Körperkerntemperatur hingegen klettert nur um rund 1° C (2).

Krankheitserreger werden eliminiert

Wir konzentrieren uns vor allem auf die entscheidende Frage: Warum beugen Saunagänge Erkältungen vor? Zunächst einmal die schlechte Nachricht: Der richtige Effekt kommt nur auf, wenn Sie sich nach der Sauna abkühlen. Dann jedoch wird es richtig gesund. 

Durch Temperaturen von bis zu 100°C wird die Durchblutung gesteigert. „Abfallprodukte“ unseres Stoffwechsels werden vermehrt abtransportiert. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Zellen des Immunsystems, die Viren und Bakterien bekämpfen. Es finden also zusammengefasst zwei Dinge statt:

  1. Der Körper wird entgiftet
  2. Das Immunsystem wird angeregt

Da anschließende Abkühlen stabilisiert den Kreislauf. Frische und unverbrauchte Luft gelangt in die Lungen und Sie fühlen sich sprichwörtlich „wie neu geboren“ (3). 

Der erkältungsvorbeugende Effekt von regelmäßigen Saunagängen ist schon seit Jahrzehnten medizinisch erwiesen (4). 

Tipps zum richtigen Saunieren

Um einen vorbeugenden Effekt zu erzielen, sollten Sie einige Ratschläge für die Saunagänge beherzigen:

  • Saunieren Sie kurz (8 – 12 Minuten), aber intensiv
  • Duschen Sie sich nach der Sauna kurz und kalt ab
  • Gehen Sie im Anschluss ein paar Minuten an der frischen Luft spazieren
  • Kalte Fußbäder fördern die Durchblutung zusätzlich
  • Gönnen Sie sich ausreichend Ruhe zwischen den Saunagängen (mindestens 15 – 20 Minuten)
  • Trinken Sie genug Wasser, Tee oder Fruchtschorle (Alkohol ist nicht empfehlenswert) (3)

Wie viele Saunagänge sind sinnvoll?

  • Bei täglichem Saunieren: 1 Gang 
  • Zweimal pro Woche Saunieren: 2 Gänge
  • Einmal pro Woche Saunieren 3 Gänge

Mehr Durchgänge sind nicht sinnvoll und belasten Ihren Organismus (5). 

Nicht jeder darf in die Sauna

Unter bestimmten Bedingungen sollten Sie nicht oder nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt in eine Sauna. Dazu gehören:

  • Blutdruckprobleme (Bluthochdruck oder starke Schwankungen)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Multiple Sklerose
  • Magen-/Darmgeschwüre
  • Schilddrüsen-Überfunktion
  • Epilepsie
  • Akute oder chronische Infektionen (3)

Bei Erkältungen ist die Sauna tabu

Der letzte Punkt des vorigen Abschnitts sagt es klar: Bei Infektionen ist die Sauna tabu. Das gilt auch für eine Erkältung. So effektiv das Schwitzen ansonsten ist. Ist der Infekt erst ausgebrochen, verschlimmert die Sauna die Situation nur. Ihr Körper hat genug damit zu tun, die Erreger abzuwehren. 

Überdies müssen Sie mit Kreislaufproblemen rechnen (6). Von den bösen Blicken der anderen Menschen, wenn Sie schniefend und hustend die Sauna betreten, einmal abgesehen. Gönnen Sie Ihrem Körper die nötige Ruhe. Danach kann es mit dem Saunieren losgehen. Und mit etwas Glück dauert es dann sehr lange, bis Sie wieder erkältet sind. 

Referenzen
(1) Deutscher Sauna-Bund e. V. (link
(2) Melchart D, Brenke R, Dobos G, Gaisbauer M, Saller R. Naturheilverfahren: Leitfaden für die ärztliche (3) Aus-, Fort- und Weiterbildung. Schattauer-Verlag, Stuttgart, 2002, Seite 323 (link)
(3) Fetzner A. Nie mehr krank: So stärken Sie Ihr Immunsystem. 3. Auflage, Books on Demand, Norderstedt, 2018, Seite 22 (link
(4) Ernst E, Pecho E, Wirz P, Saradeth T. Regular sauna bathing and the incidence of common colds. Ann Med. 1990;22(4):225-7. (link)
(5) Novotny U. Sauna unbeschwert genießen. 3. überarbeitete Auflage, TRIAS Verlag, Stuttgart, 2007 (link
(6) Steuernagel S. Das Wohlfühlbuch: So einfach entspannen Sie Körper und Geist. Schlütersche-Verlag, 2005 (link